Zweiter Advent: Johannes der Täufer

Zweiter Advent: von Geschichten und Geschichte

Evangelium zweiter Advent: Lukas 3,1-6

In Hanau gibt es einen herrlichen Platz vor dem ausgezeichnet restaurierten Rathaus und in diesem davor großzügig angelegten Rechteck ist ein ebenso gewaltiges Denkmal aufgestellt von den beiden Brüdern Jakob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859), die vor rund 150 Jahren hier gelebt haben und welche die deutschen Märchen sammelten, redigierten und herausgaben.

Die Geschichten mit Aschenputtel, Schneewittchen, Rotkäppchen, Rapunzel mit den langen Haaren – und wie sie alle heißen – diese Helden und Heldinnen wurden mir wertvoll. Die Schallplatten habe ich 10-mal nacheinander laufen lassen. Sie beginnen immer mit: Es war einmal vor langer Zeit, – es geschah irgendwann irgendwo irgendwas. Märchen erzählen Geschichten, nicht Geschichte.

Geschichte(n) im Evangelium – wozu sind sie gut?

Das heutige Evangelium beginnt dagegen mit einer ganzen Reihe von handfesten Fakten, geschichtlichen Daten und Personen. Warum diese endlose Aufzählung, bevor es dann endlich heißt: „Da erging in der Wüste das Wort des Herrn an Johannes“. Was soll das?

Nun, hier geht es schlicht und einfach um die Glaubwürdigkeit der Botschaft des Täufers Johannes. Durch diese vorausgehende Aufzählung geschichtlicher Ereignisse soll sie erhöht und bekräftigt und tradiert werden. Und irgendwie kommt uns das alles ja auch bekannt vor. Denn ganz sicher ist den meisten von uns auch die Redewendung von der „einsamen Stimme des Rufers in der Wüste“ vertraut. Gemeint ist damit einer, der mit wenig Aussicht auf Erfolg um Sinnesänderung, um Umkehr bittet bzw. sie von seinen Hörern einfordert. So war es doch bei ihm, dem letzten der Propheten, bevor die Erfüllung des angekündigten Gottesreiches durch Jesus kam.

Zweiter Advent: Johannes prophezeit: nicht ich, ER!

Die Botschaft, welche Johannes unten am Jordan in der Nähe von Jericho verkündet, ist vom alttestamentlichen Propheten Jesaja her schon seit Jahrhunderten bekannt (Jes 40,1-5): Der kommende Messias hat einen Wegbereiter, einen glaubwürdigen Ankündiger, eben einen rechten Vorläufer. Das passt alles auf Johannes, den urigen Mann, bekleidet mit dem Kamelhaar-Fell, der sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt, seit er die geschlossene Gemeinschafts-Ausbildung der Essener hinter sich gelassen hat und in den „Einzelkampf“ für den kommenden Herrn gegangen war.

Ebnet die Straßen, tragt die Hügel ab, füllt die Täler an, baut die Königsstraße durch die Wüste, denn „dein Herr kommt“. Bereitet vor allem Eure Herzen, was ungut ist, wird gefällt, die Axt liegt schon an der Wurzel, der Weizen wird von der Spreu gereinigt. Tut Buße. Im Tauf- und Reinwasch-Ritus vollzieht er an den Umkehrwilligen das äußere Zeichen der inneren Bereitschaft. Er bringt nicht sich selbst in den Vordergrund, der Kommende ist es – Er muss wachsen, ich muss kleiner werden – einen ganzen Kopf kleiner, schließlich im Gefängnis des Herodes bei seiner Enthauptung auf die Bitten der Herodias und deren Tochter hin.

Bei allen Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest hin lädt uns das Evangelium ein: Ebnet ihm die Straßen. Alles, was krumm ist, soll gerade werden. Und wie soll denn das geschehen? Wer Jesus, dem Sohn Gottes vertraut, entscheidet sich immer für das Gute. Keine Lügen, keine unfairen Spielchen, der teilt mit andern, der ist zufrieden mit dem, was er mit seinen eigenen Charismen, Gnadengaben aufgebaut hat. Umkehr heißt, ein Leben zu führen, das keinem andern Menschen schadet, sondern dem andern hilft, sein Leben auf Gott hin zu entfalten; der Raum schafft, damit des andern Lebensbaum sich ausbreiten kann.

Die Soldaten sollen niemanden unterdrücken, die Zöllner niemanden ausnehmen, die, die, die … – jeder spürt doch selber, dass und wo eine Umkehr vonnöten ist, nicht allgemein, sondern jetzt und bei mir.

Taufe bedeutet Umkehr und Buße

2012 fuhr Pater Notker durch militärische Stacheldraht-Sperren kurz nach Jericho in Richtung Osten an den Jordan zu der Stelle, wo Johannes den Herrn Jesus taufte, in Aenon bei Salim (Joh 3,23). Wo Johannes am Ostufer des Flusses stehend auf Jesus hinwies, der auf der Westseite des Jordan herunterkam: Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt. Möge der heutige zweite Advent für alle wie ein weißes Hemd sein, – in den kalten Jordan müsst ihr aber schon selber steigen. Amen.

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