Stefan Hartmanns autobiographisches Zeugnis eines Theologen deutet schon im Titel Mosaike eines Lebens an, dass sich linear verlaufende Karrieren wohl eher zwischen Wunsch und Paranoia bewegen als in der Wirklichkeit des menschlichen Seins.
Papst Benedikt antwortete auf die Frage, wie viele Wege es zu Gott gäbe: „so viele, wie es Menschen gibt“. Dass der eine Weg dabei unaufgeregt sein kann und der andere hingegen spektakulärer, sollte sich herumgesprochen haben. Das Hartmannsche Statio-Staccato liest sich lückenhaft so: Bücherwurm. Studium. Priesterweihe. Promotion. Autor. Tochter. Pfarrer. Laisierung. Heirat.
Doch das sind nur Slalomstangen eines kurvigen Weges. Sie stellen bei fehlendem Wohlwollen die Fähnchen für den Wind des Moralistischen. Der spirituelle Autor will mit seinem Lebensbekenntnis jedoch gar nicht in eine wie auch immer konfigurierte Spur des Allgemeinen.
Stattdessen fügt Stefan Hartmann die Mosaike (s)eines Lebens zusammen, damit sie „den Blick öffnen für Bleibendes“. Aus seiner persönlichen Vereinzelung hofft er, Anregungen für seine Leserschaft zu bieten, eigenes Suchen, Entdecken, Ringen und Finden auszulösen. Sein Zeugnis eines brüchigen Weges kommt aus Dankbarkeit für inneren Frieden – mit dem Ziel, eine „von Zuversicht geprägte Bewegung nach vorn“ zu vermitteln. Diese Botschaft ist im besten Sinne biblisch-christlich, denn sie zeigt die immerwährende Lebenschance zur Conversio, für die am historischen Anfang der Christenheit Paulus von Tharsus steht.
Während andere Beispiele ihr Herz Ungarn widmen, begann das göttliche Herz Stefan Hartmanns in der Schweiz zu schlagen. Dort hat ihn nicht nur die Familie hingebracht, sondern dort hat er auch seine wesentlichen Prägungen aus der Philosophie und Theologie Hans Urs von Balthasars empfangen. Zuvor hatte sich schon Søren Kierkegaard als eine Art Liebingsphilosoph festgesetzt. Eine entscheidende Rolle spielt für ihn Papst Johanns Paul II..
Wer nicht im intellektuellen Diskurs steht, wird sich mit diesem Buch vielleicht schwertun. Das geistliche Fischernetz aus Namen, Werken, Zitaten und Fußnoten ist nicht leicht nachvollziehbar. Dennoch besteht kein Zweifel daran, dass alles geistig durchdacht ist. So lässt sich das Buch dennoch gut lesen, denn die Botschaft dreht sich um bevorstehenden Weg eines Schicksals und darin um die Glaubwürdigkeit der Liebe.
Glaubwürdig wird Liebe durch Liebe. In Mosaike eines Lebens kommt das immer wieder durch die erzählte Verbindung mit seiner Frau Sandra Dorn zum Ausdruck. So führte der Weg für Stefan Hartmann bisher nach Bamberg: „nicht nur eine ersehnte Wahlheimat, sondern mein biographischer Glücksort“. Diese (vermeintlich) weltliche Liebe ist jedoch eingebettet in die Liebe Gottes, sichtbar, aber nicht überschaubar, in seinem „Superstar“ Jesus Christus.
Mosaike eines Lebens könnten für manche die Summe geistig-geistlicher Leseempfehlungen sein. Doch letztlich geht es um die Schwester der Liebe, die alle Christen anstreben sollten, damit Jesus der Leuchtturm im Leben bleiben kann, nämlich um Demut, die auch Berufung verändern kann.

Mosaike eines Lebens
Mosaike eines Lebens
Autobiographisches Zeugnis eines Theologen
von Stefan Hartmann
broschiert, 156 S., 12,8 x 1,2 x 20,8 cm
Aachen: Bernardus-Verlag, Oktober 2025
ISBN 978-3810704030
15,00 Euro




