Vanni: heilige Familie (Ausschnitt)

Die heilige Familie

Impuls von Pater Notker Hiegl zum Fest heilige Familie am 28. Dezember, das dieses Jahr auf den Sonntag in der Weihnachtsoktav fällt.

Thomas von Kempen, der Verfasser der Nachfolge Christi, sagt in einem seiner Kapitel: „Durch das Wallfahren ist noch keiner heilig geworden.“

Ich selber bin schon sehr oft gewallfahrt, wohl 144-mal, 12 mal 12“ mit den Pfarreien, Exerzitiengruppen, auch im kleinen Kreis und sogar allein. Auf Wallfahrten gehen, das ist spätestens seit Hape Kerkelings Wallfahrt nach Santiago de Compostela und seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ wieder „in“.

Wallfahrts-Traditionen gab und gibt es in allen großen Religionen, die Hindus an den Ganges, die Mohammedaner nach Mekka und die Katholiken nach Lourdes, Fatima, Guadalupe oder Rom – und die Juden bis heute nach Jerusalem. Gott suchen, Gott finden, Gott besitzen. Sehnsucht noch und noch.

Von den Eltern Jesu wird im Lukas-Evangelium erzählt, dass sie jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem zogen. Damit bekunden sie ihre gläubige Lebenshaltung auch nach außen. Dieses forderte die jährliche Wallfahrt zu den Hochfesten lediglich für Männer und Jungen ab dem 13. Lebensjahr ein. Und das auch nur dann, wenn diese nicht weiter als eine Tagesreise vom Tempel entfernt wohnten.

Die heilige Familie auf Wallfahrt

Die Familie Jesu wohnte jedoch in Nazareth in Galiläa, ungefähr vier bis fünf Tage Fußweg entfernt von Jerusalem – mindestens -, und sie ging tatsächlich gemeinsam auf Wallfahrt: auch Maria war dabei und der erst 12-jährige Jesus, nicht nur Josef. Offenbar haben sie genau diese Erfahrung sehr geschätzt: gemeinsam mit vielen andern Gläubigen auf dem Wege zu sein, sich auszutauschen, die Festtage am Jerusalemer Tempel in Gemeinschaft zu erleben und dann gestärkt wieder zurückzukehren in den eigenen, gewiss oft mühseligen Alltag.

Vielleicht kann, so gesehen, die „Heilige Familie“, wie sie am heutigen Tag verehrt wird, Familien Mut machen, sich solche gemeinsame „Auszeiten“ auf dem oftmals belastenden Alltag zu gönnen.

Quellentage für Familien, Familien-Einkehrtage oder Wallfahrten werden vielfach in den Bistümern oder Seelsorge-Einheiten angeboten. Wenn erst die erste Hürde überwunden wird, sich einmal auf ein solches Abenteuer einzulassen, dann können neue gemeinsame Erfahrungen zu einer großen Bereicherung der ganzen Familie führen und zugleich jedes einzelne Familienmitglied weiterbringen. Ja, jeden Einzelnen, darauf kommt es letztlich an.

Der 12-jährige Jesus, wahrscheinlich war es sein Bar-Mizwa-Fest, bei dem er als „Sohn des Gesetzes“ von einem mitdiskutierenden Rabbi anerkannt wurde, empfand seine Diskussion mit den schriftkundigen Gelehrten im Tempel als ein „Muss“, so das alles rings um ihn her zweitrangig wurde und er die Abreise-Situation seiner Familie und seiner Gruppe ganz übersah. „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört“. So antwortet er seinen besorgten Eltern, die ihn überall gesucht hatten.

Wohin führt die Wallfahrt des Lebens?

Vanni: heilige Familie
Francesco Vanni: Heilige Familie, Wikimedia/Museum of Fine Arts, Budapest, lizensiert unter Creative Commons by SA 3.0, Originalfoto

Wir alle sind letztlich „Bar Mizwa“ und Bat Mizwa“, „Söhne und Töchter des Gesetzes“, denn auch unser Ursprung ist in Gott. Gott ist in jedem Selbst, als persönliches Geheimnis des Menschen. „Still ruht meine Seele in mir“, – warum, weil der innerste Kern meines Seins ER selber ist, so ruht letztlich meine Seele in Dir, mein Gott. Wer dieser Grundwurzel seines Seins folgt, der findet sein Glück. Der findet in seinem religiösen Suchen Ihn, den Quelltopf jeglicher Wallfahrt. Gott führt jede und jeden anders.

Jesus folgte ihnen nach Nazareth zurück. Im Kloster Beuron schickte man die Postulanten und Novizen, so man hat, zu jedem möglichen Event, Kongress, Fortbildungskurs und Wissens-Erweiterung. Ob das gut ist, mag dahingestellt sein. Unsere Lebens-Wallfahrt, ist jedoch anders gepolt, die muss nicht hinausführen, so meine Klostererfahrung, sondern hinein: Still ruht meine Seele in mir, weil in ihr, in meinem Seelen-Tempel, in der Mitte ER ruht, den meine Seele sucht. Wallfahre hinein zu IHM. Amen.

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